Mit multiplen Matten Biegung erarbeiten

Dieser Blogpost ist die genehmigte Übersetzung des Artikels vom Irish Clicker Centre, veröffentlicht hier. Ich habe den Text teilweise ergänzt.

 

Misty ist eine 20-jährige Cob/Irish draft Stute, die zu Mary's Familie zählt seit sie 2 Jahre alt war. Misty kennt Matten und darauf stehen kann sie besonders gut. Matten kann man dazu benutzen eifrigen Pferden Geduld beizubringen, aber auch um bei eher trägen Pferden mehr Enthusiasmus und Bewegung herauszukitzeln.

 

Bei dem 2013 Kurs mit Alexandra Kurland am Irish Clicker Centre arbeiteten Michaela und Misty mit multiplen Matten. Die Matten wurden zuffällig in der oberen Hälfte des Reitplatzes verteilt. Misty ging gerne auf jede dieser Matten. Trainingsziel war es auf der Matte stehend die richtige Biegung herzustellen, damit Misty bereits in der richtigen Balance war für die nächste Matte.

Die Umarmung stellt in kleinen Schritten die Biegung her.
Die Umarmung stellt in kleinen Schritten die Biegung her.

Um die Biegung in Misty's Körper herzustellen schlägt Alexandra eine zwar ungewöhnliche, aber recht angenehme Methode vor: Umarmungen!

Im Falle einer Biegung vom Menschen weg, heisst das, die Person umarmt das Pferd, baut aber mit ihrem Körper einen leichten Druck auf, dem das Pferd in die Biegung hinein ausweicht - Click und Belohnung!

Sobald das Pferd in die gewünschte Biegung nachgibt, CLICK!, tritt die Person in den freigemachten Raum und belohnt.
Sobald das Pferd in die gewünschte Biegung nachgibt, CLICK!, tritt die Person in den freigemachten Raum und belohnt.

Wenn das Pferd in die Biegung hinein nachgibt, click!, nimmt die Person die Hände vom Hals und tritt mit ihrem Körper in den Raum, den das Pferd freigemacht hat hinein, und gibt gleichzeitig die Belohnung. Die Belohnung wird dort gegeben, wo das Pferd seinen Kopf hingedreht hat, in die gewünscht Biegung.

 

Dann wird der Vorgang solange widerholt bis die Biegung erreicht ist, die das Pferd benötigt, um ausbalanciert zur nächsten Matte zu kommen. Wieviel Biegung nötig ist, hängt davon ab wo sich die nächte Matte befindet. Anfangs wählt man eine Matte die nur eine geringe Biegung benötigt. Sobald das Pferd aber weicher und flexibler wird, kann man durchaus auch enge Wendungen zur nächsten Matte wählen.

Ist die richtige Biegung erreicht, lädt man das Pferd nach vorwärts ein und es wird selbst wunderbar ausbalanciert zu der ausgewählten Matte gehen.

Bei der Biegung zur Person hin, muss sie für das Pferd Platz frei machen.
Bei der Biegung zur Person hin, muss sie für das Pferd Platz frei machen.

Für die Biegung in die andere Richtung, zur Person hin, muss die Person Platz frei machen für das Pferd. Sobald das Pferd nachgibt in die gewünschte Biegung, CLICK und füttert dort, wo das Pferd sich in die Biegung bewegt hat.

Wie oben wird das solange wiederholt bis die benötigte Biegung erreicht ist.

Die Belohnung wird in der gewünschten Biegung gegeben.
Die Belohnung wird in der gewünschten Biegung gegeben.

Solange das Pferd auf der Matte steht kann man den Strick über den Pferderücken legen. Das wird zu einer Art "Parksignal". Wenn die Biegung erreicht ist, nimmt man den Strick vom Rücken und läuft los zur nächsten Matte.

 

Die nächste Bilderserie zeigt wie Michaela die notwendige Biegung mit Hilfe der Umarmungen aufbaut.

Falls Umarmungen nicht klappen sollten, sei es weil das Pferd sie nicht mag oder es vielleicht zu gross dafür ist, dann kann man alternativ die Biegung mit Targeting aufbauen.

Die Matte als sekundärer Verstärker

Wenn man so von Matte zu Matte geht passiert es leicht, dass die Matte nur noch als Zwischenstation fungiert. Der Nachteil wäre aber, dass sie die Funktion eines sekundären Verstärkers mit der Zeit verliert. Das wäre schade, denn Verstärker brauchen wir, wenn wir dem Pferd etwas beibringen wollen und es ist vorteilhaft neben primären Verstärkern, wie z.B Futter, dem Pferd auch sekundäre Verstärker beizubringen. Denn es könnte ja auch mal nötig sein diese zu benutzen, z.B wenn das Pferd krank ist und nicht fressen will aber auch um mehr Abwechslung in das Training zu bringen.


Primäre Verstärker befriedigen physiologische Bedürfnisse und sind angeboren (z.B. Futter, Wasser, Sex).

Sekundäre Verstärker sind erlernt. Sie sind das Versprechen eines primären Verstärkers (z.B. Geld, Click). Sie entstehen durch klassische Konditionierung aus der die Assoziation mit einem primären Verstärker (Click und Futter).


Durch die Grundlagenlektion „Auf der Matte stehen“ hat die Matte durch häufige Belohnungen vermutlich die Funktion eines sekundären Verstärkers erlangt. Ich sage vermutlich denn wissen kann man das nur wenn man die Matte dazu benutzen kann die Wahrscheinlichkeit eines vorhergehenden Verhaltens zu erhöhen. Um es einfacher zu sagen: hat die Matte eine Sogwirkung auf das Pferd, d.h. es geht gerne und von alleine auf die Matte, dann ist sie vermutlich ein sekundärer Verstärker.

 

Um diese Eigenschaft der Matte zu erhalten sollte man die Matte immer so benutzten, dass das Pferd sie als einen sehr angenehmen Platz empfindet. Das kann man durch viele verschiede Sachen erreichen, z.B kann man auf der Matte immer wieder verhalten abfragen, die das Pferd gerne macht. Dazu eigenen sich sehr gut die Grundlagenlektionen wie Targeting, Kopf senken oder "Die Erwachsenen reden". Eine andere Möglichkeit sind gymnastische Übungen wie die Pose oder Bein heben.

Mit Misty benutzten wir „Bein heben“ um die positiven Eigenschaften der Matte zu erhalten. Sie kannte diese Lektion noch nicht, lernte aber sehr schnell. Anfangs hebt sie das Vorderbein nur wenig und etwas unentschlossen, aber das verbesserste sich sehr schnell. Die Person fragt nach dem Bein anfangs wie beim Hufe auskratzen. Mit einer Hand kann man den Huf an der Hufspitze unterstützen. Die andere Hand hält man dicht vor das Vorderfußwurzelgelenk als Target aus. Berührt das Bein die Hand, CLICK und Belohnung.

Die Hand dient als Target
Die Hand dient als Target

Nach und nach kann man dann die Unterstützung des Hufes weglassen, das Pferd wird den Fuß selbst halten. Die Target Hand kann man erst weiter entfernen und auch später auch weglassen. Das Signal „Hufe auskratzen“ wird langsam übertragen auf ein Stupsen an der Schulter, das man später auch vom Sattel aus geben kann.


Übertragen eines Signals

 

Wenn man für ein Verhalten formt, dann sucht sich der Schüler meist einen Hinweis welches das gewünschte Verhalten ankündigt. Manchmal ist dieses Signal nicht sinnvoll und der Trainer mochte dieses Signal durch ein anderes ersetzen. Das geht meist relativ einfach. Dazu muss man nur das neue Signal vor das alte Signal geben.

 

Neues Signal à altes Signal à Verhalten à CLICK à Belohnung

Neues Signal à altes Signal à Verhalten à CLICK à Belohnung

Neues Signal à (schwaches) altes Signal à Verhalten à CLICK à Belohnung

Neues Signal à Verhalten à CLICK à Belohnung

 

In unserem Beispiel:

 

Stupsen an der Schulter à Signal zum Hufe auskratzen à CLICK à Belohnung

Stupsen an der Schulter à CLICK à Belohnung


Die Bilder unten zeigen die Übung für die Hinterbeine. Hierbei ist das Target das Bein. Das ist sicherer für die Person und auch weniger anstrengend für den Rücken.

Dieselbe Übung mit den multiplen Matten und Bein heben kann man selbstverständlich auch reiten. Dabei wird die Biegung nicht mit Umarmungen erreicht, sondern über ein Nachgeben im Kiefer und Genick. Dazu hat Alexandra Kurland spezifische Übungen, die an anderer Stelle erklärt werden.

 

 

Nur ganz kurz erklärt: die innere Hand gleitet so weit am Zügel herunter bis ein leichter Kontakt zum Maul entsteht. Die Hand verweilt dort (am besten am Sattel platziert damit keine Rückwärtsbewegung mit der Hand erfolgt) bis das Pferd nachgibt. Das Pferd reagiert mit einem Nachgeben im Genick und begibt sich in die gewünschte Stellung. Darauf gibt der Reiter sofort nach und, bei Bedarf,  Click und Belohnung. 

Über die drei Tage mit dieser Übung wurden Misty‘s Bewegungen weich und sie ging ausbalanciert von Matte zu Matte. Die letzten drei Jahre wurde sie nur von sehr jungen Kindern geritten und wurde etwas steif. Mit ihren 20 Jahren hat sie auch etwas Arthrose. Die sanften Biegungen und das Beine anheben wirken da wie Krankengymnastik.

 

Auf diesem Bild sieht man sehr schön wie sehr Misty und Michaela aufeinander konzentriert sind.

Misty und Michaela sind aufeinander konzentriert
Misty und Michaela sind aufeinander konzentriert

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