Die Pilates Pose

Es gibt da die eine Übung, die viele Menschen, die Alexandra Kurlands Arbeit nicht kennen, missverstehen: die Pose.

Auf den ersten Blick sieht die Pose so aus: ich bringe meinen Pferd bei seinen Kopf in Dressurhaltung zu tragen.

 

Viele von uns sind zum Clickertraining gekommen, weil für die konventionelle Pferdeausbildung wegen dem Zwang und den ganzen negativen Auswirkungen, physisch und psychisch, unethisch empfinden. Unsere Pferde sollen zwang frei und positiv ausgebildet werden.  

In den Reitställen wird generell sehr viel über die Kopfhaltung debattiert. Die einen sagen, der Hals muss vorwärts abwärts, die anderen ziehen das Kinn an die Brust, wieder andere sagen, lass den Hals ganz in Ruhe.

Und jede Seite argumentiert mit viel Emotionen. Es ist fast schon ein Glaubensbekenntnis. Da ist es verständlich dass diese Lektion kritisch hinterfragt wird. Das ist auch richtig so, denn jeder soll für sich selbst entscheiden ob jede einzelne Übung das richtige für ihr individuelles Pferd ist.

 

Um entscheiden zu können, ob die Pose eine Übung ist, die deinem Pferd helfen kann, will ich sie näher beschreiben.

 

 

Bild von www.sustainabledressage.net
Bild von www.sustainabledressage.net

Sinn der Pose ist es die Teile der Muskulatur zu trainieren, die dein Pferd benötigt um dich gesund zu tragen.

Das sind zum einen die Oberhalsmuskeln die es benötigt um seinen Hals frei zu tragen. Diese starken Muskeln heben das Halsskelett an, ziehen die Dornfortsätze tendenziell nach vorne und können so über das Rückenband den Rücken anheben und uns so den Langen Rückenmuskel entlasten. Somit ist dieser frei beweglich (Gerd Heuschmann in Finger in der Wunde, WuWei Verlag, S.65).

 

 

Das Pferd braucht diese Oberhalsmuskeln damit es seinen Rückenmuskel entspannen kann. Der Lange Rückenmuskel ist ein Bewegungsmuskel, der sich in der Bewegungung an- und entspannt. Ist er verspannt werden die Bewegungen des Pferdes gebunden, die Tritte werden kurz und es geht nicht vorwärts.

Bei der Pose entsteht eine Bewegung die den Hals vom Widerrist heraus anhebt. Sie öffnet die Dornfortsätze, streckt die Halswirbelsäule. Der Brustkorb wird aus den Schultern heraus angehoben.

 

Bei der weiter entwickelten Pilates Pose verschiebt das Pferd im Anschluss sein Gewicht leicht nach hinten und wölbt seinen Rücken auf (cat stretch). Genau diese Bewegung möchten wir dann beim Reiten auch haben. Das Pferd muss noch lernen dies in die Bewegung mitzunehmen.

 

Die Pose ist keine statische Position, sondern dynamisch. Muskeln bilden sich durch Anspannung und Entspannung. Ich verlange diese Position nicht für die Dauer der Reitstunde sondern nur für ein paar Sekunden. Stattdessen kann ich viele Wiederholungen machen. Das ist wie im Fitness Center: Anspannung-Entspannung-Anspannung-Entspannung.

 

Ein anderer wichtiger Aspekt ist der, dass es bei der Pose tatsächlich nicht um die Halsposition geht, sondern um den Rücken. Indem mein Pferd die Oberhalsmuskeln anspannt entlastet es den Rücken und er kann sich aufwölben.

 

Wie dynamisch diese Übung ist und wie sehr sich der Rücken wölbt kann man sehr schön in diesem Video sehen. Beachtet wie mobil die Wirbelsäule ist. Sie ist frei und beweglich. Der Wallach kaut sogar ganz genüßlich  ;) Da will man sich doch gleich genauso strecken und dehen, oder?

Wenn man die Pilates Pose weiter ausfeilt, dann entwickelt sich daraus dieser "play bow" oder sogar die Schulparade bei der das Pferd noch mehr Gewicht auf die Hinterhand verteilt. 

Dieselbe Bewegung kannst du übrigens auch selbst ausprobieren. Im Sitzen oder im Vierfüsslerstand, mach deinen Hals lang. Stell dir vor du hast eine Stange durch deine beiden Ohren. Dreh deinen Kopf um die imaginäre Stange, dein Kinn kommt dabei leicht nach unten. Merkst du wie sich deine Halswirbelsäule streckt? Vielleicht spürst du auch wie sich dein Brustkorb zwischen den Schultern heraushebt? Zum Vergleich, entferne die imaginäre Stange aus deinen Ohren und senke deinen Kopf. Merkst du den Unterschied zwischen den beiden Bewegungen?  Mit der Stange wird dein Halswirbelsäule länger. Ohne Stange, kippt sie ab.

Bist du im Vierfüsslerstand? Dann verschiebe doch mal dein Gewicht nach hinten und wölbe die Lendenwirdbelsäule hoch indem du das Becken abkippst. Wie fühlt sich das an? Angenehm oder unangnehm? Stell dir vor, du hättest ein Kind auf dem Rücken. Vielleicht hast du ja sogar einen solchen Gehilfen zur Hand ;). In welcher Postion kannst du den kleinen Reiter besser tragen? Mit aufgewölbtem Rücken oder mit einem durchhängenden Rücken?

 

 

Du hast die Parallele zum Pferd natürlich schon längst erkannt. Es kann aber hilfreich sein, das einmal durchzuspielen und dem Kind im Haus macht es bestimmt Spaß ;)

Hier noch einmal der Unterschied in der Bewegung: einmal eine Streckung der Halswirbelsäule gegenüber einem Abknicken.

Robin, Alexandra’s Cleveland Bay/Vollblut Mix hat die Pose in die Bewegung integriert. Er trabt hier in wunderbarer Balance und Kadenz. Als dieses Video aufgenommen wurde war Robin 3-jährig und noch nicht geritten.  

Seht ihr wie entspannt der Rücken ist? Sein Schweif pendelt gelassen hin und her wie es sein soll. Er ist in wunderbarer Balance.

Meine persönlich Erfahrung mit dieser Übung ist rundum positiv. Sie hat mir sehr geholfen die Muskulatur meines Wallachs aufzubauen. Als ich ihn 2009 bekam hatte er praktisch überhaupt keine Muskeln. Der Trapezmuskel war atrophiert, es blieben zwei große Löcher vor und hinter der Schulter. Auch der Rückenmuskel war unterentwickelt. Die Pose habe ich ihm nach und nach beigebracht, die korrekte Pilates Pose konnte er dann 2011. Seit dem Zeitpunkt hat er massiv Muskeln entwickelt.  

Und so sieht unser täglicher Workout aus.

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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrin Wycisk (Sonntag, 10 November 2013 06:58)

    Michaela vielen herzlichen Dank für den gelungenen Artikel, ich werde weiter an der Pose dranbleiben. Auch bei meiner kleinen Ponystute, die ebenfalls mit atrophierten Trapezmuskel kämpft, werde ich jetzt vermehrt daran arbeiten ;)
    Ist das ein und das selbe Pferd auf den Bildern links und rechts? Was für eine tolle Entwicklung, klasse.
    Glg
    Kathrin

  • #2

    Michaela (Sonntag, 10 November 2013 10:15)

    Hallo Kathrin, dasselbe Pferd, kaum zu glauben, oder? Ich bekam ihn 2009. Im ersten Jahr hatte er viele Umstellungen zu bewältigen: neuer Platz, neue Menschen. Gruppenhaltung, Futterumstellung, Eisen runter etc. 2010 habe ich mit Clickertraining angefangen. Seitdem die Pose sein Standardverhalten geworden ist konnte ich zusehen wie sich die Muskel löcher aufgefüllt haben. Ich bin sein Signal für die Pose. Während des putzens und sattelns geht er in Pose, d.h. wenn ich da bin macht er an die 100 Wiederholungen in ganz kurzen Sequenzen. Das bildet Muskeln. Natürlich machen wir jetzt zusätzlich noch andere Gymnastik aber damals konnte er das noch nicht. Er musste die Seitengänge erst lernen, außerdem war er beim reiten sehr verspannt, da bilden sich keine Muskeln. Jetzt sieht er ziemlich gut aus, wie ich finde :-)