Teil 10

  Geduld, Ausdauer und die T'ai Chi Wall 

Mein allerbestes Training spielte sich in der Zeit ab, in der ich am allerwenigsten wusste. Ich nahm Unterricht in einem Jagd- und Springstall und war von Menschen umgeben, die wussten, wie man ein Pferd "hart rannimmt" und sein Ziel erreicht. Der Trainer, der den Stall betrieb, gehörte am Höhepunkt seiner Karriere zu den zehn besten Rodeobullenreitern des Landes. Ich übertreibe also nicht, wenn ich von "hart rannehmen" spreche. 

 

Ich selbst wusste vor allem eines, nämlich, dass ich diesen Weg nicht einschlagen konnte: Ich konnte mich nicht mit einem Pferd anlegen, weil ich noch nicht die Fähigkeiten hatte, um einen solchen Kampf zu gewinnen. Also musste ich andere Lösungen finden. 

 

Mein Trainer hielt eine Reihe junger Rennpferde. Ich verbrachte viel Zeit an der Rennstrecke und lernte, mit ihnen umzugehen. Als ein zweijähriger Zuchthengst vor Energie nur so schäumte oder - in manchen Fällen - überkochte, lernte ich, ihn zu unterwerfen. Ich sah durch das Maul gezogene Führketten und noch viel Schlimmeres, und ich kannte all die Mittel zum Unterwerfen eines Pferdes. Ich sah aber auch den Schaden, den sie anrichten konnten, und wählte andere Lösungen für mein eigenes Vollblut. 

Teil 10: Geduld, Ausdauer und die T'ai Chi Wall

Meine ersten Lektionen

Meine eigenen Pferde lehrten mich Ausdauer und Geduld - zwei Lektionen, die die Grundpfeiler guten Trainings sind. Lange, bevor ich vom Training mittels Markersignal und positiver Verstärkung auch nur gehört hatte, lehrten meine Pferde mich die Wichtigkeit kleiner Schritte. 

 

Ich lernte: Ganz gleich, wie klein der Schritt, an dem du arbeitest, ist - er kann in mindestens zehn noch kleinere zerlegt werden. Und jeder dieser Schritte kann seinerseits noch kleiner zerlegt werden. Mach die Schritte noch kleiner, und du findest früher oder später eine JA!-Antwort. Diese Lektion lernte ich von Peregrines Mutter. Sie litt unter neurologischen Beeinträchtigungen. Bevor ich sie kaufte, verletzte sie sich beim Putzen - was eine Routine-Pflege-Session hätte sein sollen, lief anders als geplant. Die Verletzungen ihrer Wirbelsäule machten es schwierig für sie, die Position ihrer Hinterhufe zu spüren. Sie lehrte mich viel über kleine Schritte und darüber, dass du große Dinge erreichen kannst, wenn du ausreichend kleine Schritte aneinanderreihst, und sie lehrte mich die wichtigste aller Lektionen: Geduld führt zu Vertrauen.  

 

Als ich mit ihr zu arbeiten begann, war ich eine blutige Anfängerin und sie ein einjähriges Vollblut. Das ist viele Jahre her. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist Peregrine - ihr einziges Fohlen - siebenundzwanzig Jahre alt. Im Laufe der Jahre habe ich viel gelernt. Wenn heute ein Pferd "überkocht" - sei es aus Enthusiasmus, Angst oder Wut - habe ich mehr Werkzeuge in meiner "Werkzeugkiste", um ihm zu helfen. Ich will aber nach wie vor nicht mit ihm streiten, nicht mit ihm kämpfen. Ich habe mehr Werkzeuge, aber ich weiß auch, wie viel ich mit Geduld und Ausdauer erreichen kann. Geduld und Ausdauer sind die Grundpfeiler guten Trainings und die Grundlage, auf der die T'ai-Chi-Führstricktechnik basiert. 

Teil 10: Geduld, Ausdauer und die T'ai Chi Wall

Führstricktechnik

Der Umgang mit dem Führstrick ist ein wichtiger Teil des Clickertrainings. Im Laufe dieses Kurses hast du immer wieder Beispiele für gute Führstricktechnik gesehen. In diesem Abschnitt will ich dir eine Reihe Videos zeigen, die sich im Detail damit auseinandersetzt, was gute Führstricktechnik ausmacht. Manche von euch werden sich beim Ansehen dieser Videoclips vielleicht denken: Ich will einfach nur Spaß mit meinem Pferd haben. Ich will nicht so viel nachdenken!

 

Das ist auch gar kein Problem, wenn du ein entspanntes Pferd hast, das durch nichts so leicht aus der Fassung zu bringen ist. Wenn du aber mit einem aufdringlichen oder nervösen Pferd arbeitest, oder mit einem Pferd, das nicht genau weiß, wo die Grenzen sind, wirst du feststellen, dass es gerade die Details der Führstricktechnik sind, die dir ermöglichen, dich in seiner Nähe aufzuhalten. Sie sorgen dafür, dass die Dinge sicher und überschaubar bleiben, sodass du Spaß haben kannst. 

 

Eines meiner liebsten Workshop-Zitate stammt von einer professionellen Hundetrainerin, die kürzlich ihr erstes Pferd gekauft hatte. In diesem Workshop ging es hauptsächlich um gute Führstricktechnik, und sie erklärte: "Ich hatte keine Ahnung, dass es so kompliziert sein kann, einen Strick entlangzugleiten!" Wir alle lachten, und der Satz wurde zum Zitat des Wochenendes. Es ist nicht wirklich so, dass es kompliziert wäre, den Führstrick entlangzugleiten - aber im Laufe der Jahre haben uns die Pferde gezeigt, dass es dabei jede Menge Details gibt, auf die es ankommt.  

 

Clickertrainer lieben Details. Wir wissen, dass sich Erfolg aus vielen kleinen Schritten zusammensetzt - und so bauen wir auch deine Führstricktechnik auf. Wir beginnen ohne Pferd. Für diese Reihe an Übungen brauchst du nichts weiter als Halfter und Führstrick.

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Die T'ai-Chi-Wall

Der erste Teil dieses Kurses schafft gleiche Voraussetzungen für alle. Selbst wenn du ein blutiger Anfänger bist, kannst du mit dem Clicker trainieren - das ist das Schöne an diesem System.  Verwende geschützten Kontakt. Lehre die Grundlagenübungen gut. Zerlege dein Training in kleine Schritte. Sei geduldig. Hab Ausdauer. Wiederhole die Prinzipien guten Trainings, wenn du auf ein Problem stößt. 

 

Je mehr Fähigkeiten du lernst, desto wichtiger wird all das. Es ist nur zu einfach, Geduld durch gekonnten Umgang mit dem Strick zu ersetzen und bei einem Totalschaden zu landen. 

 

Während du dich durch dieses Programm arbeitest, kannst du immer herausforderndere Trainingsumgebungen in Angriff nehmen, mit schwierigeren Pferden arbeiten und komplexere Trainingsaufgaben lösen. Dein Training baut auf einer soliden Grundlage auf, und Geduld und Ausdauer sind für diese Grundlage wesentlich. 


Jetzt ist es an der Zeit, dich in clickerkompatible Führstricktechniken einzuführen. In den bisherigen Teilen dieses Kurses habe ich mich bereits auf die T'ai-Chi-Wall bezogen, und jetzt wollen wir sie uns im Detail ansehen. 

 

 

Einerseits lernst du, sie als ein grundlegendes Sicherheitsinstrument à la "geschützter Kontakt zum Mitnehmen" zu verwenden, und andererseits als fortgeschrittene Trainingstechnik für Balance und Finesse.

Teil 10: Geduld, Ausdauer und die T'ai Chi Wall

Lernziele für das Pferd

Dein Pferd ...

  •    fühlt sich beim Einsetzen der T'ai-Chi-Wall wohl.
  •    findet dort sein Gleichgewicht, wo er selbst steht, statt dich aus dem Weg zu schubsen. 
  •    wird mithilfe der T'ai-Chi-Wall ein Champion im Senken des Kopfes. 
  •    wird sowohl sehr leicht in deiner Hand als auch stark mit dir verbunden, wenn du ihn führst. 

 

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Lernziele für den Menschen

Du ...

  •     fühlst dich beim Einsetzen der T'ai-Chi-Wall wohl.
  •     lernst, die T'ai-Chi-Wall mit Armrotationsstruktur und Finesse einzusetzen und dein Ziel ohne den Einsatz von Zwang         zu erreichen.
  •     weißt, wie du mithilfe der T'ai-Chi-Wall explosive Situationen entschärfen kannst. 
  •     weißt, wie du mithilfe der T'ai-Chi-Wall Weichheit und Finesse im Gleichgewicht deines Pferdes entwickeln kannst. 
  •     weißt, wie du deinem Pferd dabei helfen kannst, sein Gleichgewicht dort zu finden, wo er selbst steht, statt dich aus           dem Weg zu schubsen. 
  •     findest selbst ein besseres Gleichgewicht, während du dich mit Details beschäftigst, die die T'ai-Chi-Wall effektiver             machen. 
  •     wirst weich in deinen Händen und baust zugleich eine noch stärkere Verbindung zu deinem Pferd auf. 

 

Kurz gesagt: Du entwickelst eine großartige Führstricktechnik, die deine restliche Clicker-Werkzeugkiste wunderbar ergänzt. 

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