Teil 14:

Ein Blick in die Zukunft

 

Ich habe diesen Kurs mit einem Bild meines Senioren Peregrine eingeleitet: Er ist das Pferd, der am Anfang von all dem steht. Daher will ich auch diesen Blick in die Zukunft mit einem Blick zurück beginnen. 

 

Im Jahr 1994 begann ich, mit dem Clicker zu trainieren. Peregrine hatte Abszesse in beiden Vorderhufen und Boxenruhe verordnet bekommen. Ich hatte Karen Pryors Positiv bestärken - sanft erziehen (Originaltitel: Don't Shoot the Dog) und Delphine als Artisten  (Originaltitel: Lads Before the Wind) gelesen und das Clickertraining hatte mich neugierig gemacht. Warum nicht gleich damit beginnen? Ich suchte etwas, um Peregrines Hirn auf Trab zu halten, während er in der Box bleiben musste. Er konnte kaum gehen, aber er konnte mit der Nase ein Target anstupsen - und so begannen wir mit dem Training.

 

Anfangs hielt ich das Targeting einfach für einen süßen Trick - nicht sonderlich wichtig, aber Peregrine und ich hatten unseren Spaß damit. Mittlerweile weiß ich es besser. Während Peregrine sich langsam erholte und sich mehr und mehr bewegen konnte, setzte ich mich weiter damit auseinander, was ich ihm mit dem Clicker beibringen konnte. Seine Abszesse zwangen uns dazu, langsam vorzugehen. Ich wiederholte all sein Grundlagentraining mit dem Clicker. Als er einige Wochen später wieder fit war und arbeiten durfte, hatte er verglichen zu seinem Kenntnisstand vor der Bettruhe enorme Trainingsfortschritte gemacht. Ich war fasziniert.

Teil 14: Ein Blick in die Zukunft

Peregrine

Ich erinnere mich an das erste Mal, dass ich aufstieg und ihn vom Sattel aus clickerte, als wäre es gestern gewesen. Nachdem er noch nicht völlig fit war, fragte ich simple Routinesignale ab: einfach nur gewöhnliche Wendungen. Ich clickte und er blieb stehen, um sich sein Leckerli abzuholen, um dann sogleich nahtlos dort anzuknüpfen, wo wir vor dem Click aufgehört hatten. Ich konnte geradezu spüren, wie er sagte: "Oh, das wolltest du also! Warum hast du das nicht gleich gesagt?"

 

Mit seinem Gesundheitszustand ging es aufwärts, und ich clickerte mich weiter durch Peregrines Repertoire an bereits bekannten Verhaltensweisen - darunter die Piaffe und der Spanische Schritt. Peregrine hat keinen starken Rücken. Er verletzte sich bei der Geburt, was dazu führte, dass seine Kniegelenke blockierten. Du kannst dir das Kniegelenk des Pferdes wie unser eigenes Knie vorstellen. Drei Bänder verlaufen über die Patella, die Kniescheibe. Bei manchen Pferden blockiert das mittlere Band, sodass es nicht nachgeben kann. Das führt dazu, dass das Pferd nicht mehr in der Lage ist, das Bein zu beugen. Auch Peregrine hatte mit diesem Problem zu kämpfen. So konnte es etwa sein, dass er ruhig vor mir stand, während ich ihn striegelte. Ich forderte ihn auf, einen Schritt vorwärts zu machen - und seine Kniegelenke blockierten und machten es unmöglich, die Beine zu beugen. Meist schaffte Rückwärtsgehen Abhilfe; manchmal machte er auch einen wilden Sprung nach vorne, um sich aus dieser misslichen Lage zu befreien. Natürlich machte das auch sein Training um einiges komplizierter. 

 

Acht Jahre lang hatte ich bereits mit seinen Kniegelenken und den zahlreichen Verhaltenskomplikationen, die sie nach sich zogen, gekämpft. Solang ich ihn gut im Gleichgewicht hielt, blockierten die Kniescheiben nicht, wenn ich im Sattel saß. Sobald ich aber mit den Zügeln nachgab, um ihm zu erlauben, sich zu strecken, spürte ich, wie sie blockierten. Passierte das im Galopp, reagierte er mit einem harten, rollenden Buckeln, das äußerst gefährlich zu reiten war. Ich lernte zwar, all das zu managen, aber es blieb frustrierend: Wir machten kleine Fortschritte, dann hatte Peregrine einen schlechten Knie-Tag und plötzlich fühlte es sich an, als stünden wir immer noch ganz am Anfang. Als sich Peregrines Reaktion auf den Clicker anfühlte, als würde er sagen: "Oh, das ist es, was du wolltest!", war das also eine große Sache für mich! 

 

Im ersten Winter, in dem ich den Clicker zum Training einsetzte, nahm ich den Spanischen Schritt in Angriff. Peregrine begann, die Beine gewaltig hoch zu heben - viel höher als jemals zuvor. Click and Leckerli! Er war so begierig danach, mir zu zeigen, was er lernte! Wir hatten beide so viel Spaß! Und plötzlich realisierte ich: Seine Kniescheiben blockierten nicht mehr! Irgendetwas am Spanischen Schritt hatte ihm eine neue Möglichkeit aufgezeigt, seinen Körper zu bewegen. Weder musste ich jeden seiner Schritte managen noch sonst etwas tun - er selbst hatte die Lösung für sein Knieproblem gefunden und setzte sie selbstständig ein. 

Teil 14: Ein Blick in die Zukunft

Peregrine

Peregrine war damals acht Jahre alt. Seine Kniegelenke hatten blockiert, seit er ein junges Fohlen war. Mithilfe des Clickertrainings war es ihm irgendwie gelungen, selbst die Verantwortung für sein Gleichggewicht zu übernehmen. Er musste sich nicht mehr auf mich verlassen, um zu verhindern, dass seine Kniegelenke blockierten - er konnte es selbst. Damals erkannte ich, dass das Training mit dem Clicker weit darüber hinausreichte, einfach nur das nächste neue Verhalten zu lehren: Peregrine tat viel mehr, als meinen Instruktionen zu folgen - er war aktiv dabei, gemeinsam mit mir Rätsel zu lösen. 

 

Seit fast zwanzig Jahren ist er mein Weggefährte beim Lösen von Rätseln. Jetzt, wo ich das schreibe, ist er achtundzwanzig. Er war mein Versuchskaninchen auf vielen Clickertrainings-Ebenen: von den ersten Schritten, als wir begeistert waren, wenn unsere Pferde ein Target berührten, bis zu unserem heutigen, wesentlich detaillierteren Verständnis dieses mächtigen und weitreichenden Trainings-Werkzeuges. 

 

Heute ist Peregrine in erster Linie Pensionist, aber in seinen besten Jahren hat er mich und mein Reiten weiter gebracht, als ich je für uns zu träumen gewagt hätte. Wenn ich über das Training mit dem Clicker nachdenke, denke ich daher an Möglichkeiten: Das Clickertraining hat mich gelehrt, daran zu glauben, was alles möglich ist. Ich und meine Pferde sind an so viele Hindernisse gestoßen, haben frustrierende Erfahrungen gemacht - aber wenn ich zu den grundlegenden Prinzipien zurückkehre und ein Rätsel mithilfe meiner Clicker-Fertigkeiten in seine Einzelteile zerlege, finde ich immer eine Lösung.

 

Eine großartige Leistung und himmlisch zu reitende Gangarten sind nur zwei von vielen Extras, die das Clickertraining für uns bereithält. Das Größte und Wichtigste, was ich dem Clickertraining verdanke, ist eine Verbindung zu meinen Pferden, die sich nicht in Worten beschreiben lässt. Ich wünsche dir von Herzen dieselbe Erfahrung.

Meine Clicker-Familie
Meine Clicker-Familie

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