Clickertraining

- und wie mache ich weiter?

Die ersten Schritte sind gemacht. Mein Pferd kennt die Bedeutung des Clicks, folgt dem Target und kennt die Grundlagenlektionen. Wie geht es weiter?

Als ich das erste Mal von Clickertraining hörte, dachte ich:

 

„Welchen Blödsinn haben sie denn nun schon wieder für die Pferdeleute erfunden?“.

 

Erst als ich eine Artikelserie in der Zeitschrift Pegasus (10/05) in die Hand bekam, weckte es mein Interesse. Was genau gewann meine Aufmerksamkeit? Die Tatsache, dass Clickertraining seit Jahrzehnten erfolgreich zum Trainieren von Delphinen und anderen Meeressauegern und Exoten angewendet wird und dass es eine wissenschaftliche Grundlage hat. Bei der Pferdeausbildung beruft man sich immer auf Erfahrungen. Eine Lektion wird dem Pferd seit xx Jahren so beigebracht, deshalb ist es die beste Methode. Und das sagen alle Ausbilder über die eine oder die andere Methode. Das ist nicht sehr überzeugend, deshalb sind Pferdebesitzer auch ständig auf der Suche nach der „richtigen“ Methode ihr Pferd auszubilden. Wissenschaft ist aber (so weit wie möglich) neutral. Die Grundlage des Clickertrainings: Lerntheorie, operante und klassische Konditionierung etc. basiert auf Erkenntnissen der Psychologie und hat in erster Linie nichts mit Pferdeausbildung zu tun. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Verhalten von den direkt folgenden Konsequenzen beinflusst wird, ist ein Naturgesetz, genauso wie der Apfel vom Baum auf den Boden fällt. Das heißt, dass jedes Lebewesen sein Verhalten den erfahrenen Konsequenzen anpasst und das passiert zu jedem Zeitpunkt. Ein Pferd lernt immer, egal ob der Pferdebesitzer da ist oder nicht, ob er/sie dem Pferd gerade etwas beibringen möchte oder nicht. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass Lernen zu jedem Zeitpunkt stattfindet.


Der nächste wichtige Punkt ist der, dass wir verstehen müssen, dass eine positive Konsequenz, das vorausgehende Verhalten verstärkt, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten öfters gezeigt wird, hat sie erhöht. Besuche ich ein neues Restaurant und das Essen schmeckt hervorragend, gehe ich vermutlich nochmals hin. Genauso senkt eine negative Konsequenz diese Wahrscheinlichkeit. Schmeckt das Essen fürchterlich oder ist das Personal unfreundlich werde ich das Restaurant in Zukunft meiden.

Diese Lernvorgänge passieren ständig ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Die Mechanismen dieser Vorgänge zu beachten hilft ungemein bei der Ausbildung eines Pferdes, und selbstverständlich anderer Tierarten, Menschen inbegriffen.

Beliebteste Workouts: Matwork und Pilates Stretch
Beliebteste Workouts: Matwork und Pilates Stretch

Asfaloth

 

Ich habe mit Clickertraining im Februar 2009 begonnen, mit meinem ersten Pferd Asfaloth, den ich zu dem Zeitpunkt seit einem Jahr hatte. Wegen eines Reitunfalls konnte ich einen Monat nicht reiten, d.h. ich musste ihn anders beschäftigen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits Material von Alexandra Kurland und war bereit es auszuprobieren. Wir beide fanden sofort Gefallen daran und haben es seitdem nicht mehr losgelassen. Asfaloth war 10-jährig als ich ihn bekam. Er war kein Problempferd, aber nicht immer einfach im Umgang. Generell fand er es besser nicht angefasst zu werden, v.a. im Kopfbereich. Er konnte durchaus mal schnappen wenn ihm etwas nicht passte, aber v.a. konnte er beim Putzen absolut nicht stillstehen. Inzwischen kann man mit ihm kuscheln, er steht beim Putzen unangebunden und er freut sich sichtlich auf jeder Clickerstunde. Er hat sich physisch und psychisch fantastisch entwickelt. Er ist gelassener geworden, hat Muskeln aufgebaut und bewegt sich eindeutig besser.

 

Die Übungen, die Alexandra Kurland entwickelt halfen ihm ein besseres Gleichgewicht zu finden und stärkten ihn.

 

Zusätzlich, seit Sommer 2012, machen wir Gymnastikübungen im Sinne der klassischen Dressur nach Anja Beran. Die Grundlagen dafür hatten wir Dank Alexandra Kurlands Clickertraining bereits erarbeitet. Und mit Hilfe des Clickers machen wir große Fortschritte weil ich mit dem Click jede richtige Änderung der Balance markieren kann, und wir so sehr viel schneller lernen.

 

Ich bin zugegebenermaßen sehr stolz darauf was wir in den letzten Jahren erreicht haben, wenn man bedenkt, dass wir uns das alles selbst beigebracht haben. Das Trainingsmaterial von Alexandra ist darauf ausgerichtet, es selbst auszuprobieren.

Ich werde versuchen diese Fortschritte mit genaueren Einzelberichten mit Fotos und Videos zu dokumentieren und zu teilen. Mein Anliegen ist es, anderen zu zeigen, dass Clickertraining ein hervorragendes Hilfsmittel ist bei der Pferdausbildung. Es ersetzt keine klassische Ausbildung aber es ergänzt und verfeinert sie, denn es macht das Training für Pferd und Ausbilder klarer und angenehmer. Viele denken immer noch, dass Clickertraining nur für die Bodenarbeit oder zum Tricktraining geeignet ist. Aber es ist tatsächlich ein klares Kommunikationsmittel, ein Übersetzer, ein „Babel-Fisch“, der es dem Pferd einfacher macht zu verstehen, was wir von ihm wollen, egal was wir ihm beibringen wollen.

Graya entspannt nach dem Training.
Graya entspannt nach dem Training.

Graya

 

Um dies noch deutlicher zu veranschaulichen, habe ich noch Graya in die Familie aufgenommen. Graya ist eine junge PRE-Stute. Ich habe sie als 2-Jährige bekommen. Mit drei Jahren wurde sie bei Anja Beran angeritten. Mein Plan für sie ist, sie klassisch auszubilden mit der Verfeinerung und der positiven Lernatmosphäre, die das Clickertraining schafft. Ihr werdet noch viel von ihr hören…